Traumatherapie


Das Curriculum orientiert sich hinsichtlich Aufbau und Umfang an den Ausbildungsstandards des Österreichischen Netzwerks für Traumatherapie. Mit EMDR wird eine seit vielen Jahren etablierte Methode zur Behandlung von Traumafolgestörungen umfassend in den konzeptuellen Grundlagen und der praktischen Anwendung vermittelt.

Den Wünschen vieler InteressentInnen folgend, wird, abweichend von den Ausbildungsstandards, Neurofeedback als innovative, aber wissenschaftlich bereits sehr gut etablierte Behandlungsmethode in seinen Grundzügen dargestellt und praktisch demonstriert.

Weitere Schwerpunkte bilden neben den theoretischen und neurobiologischen Grundlagen psychologische Stabilisierungstechniken sowie Interventionen bei komplexen Traumafolgestörungen und Kriseninterventionen, insbesondere bei Großschadensereignissen.

Ebenso sind pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten, Interventionen bei komorbiden Störungen sowie Grundlagen der Sachverständigentätigkeit für die praktische Tätigkeit in der Psychotraumatologie unerlässlich.

Info-Broschüre

Lehrgangsüberblick

Lehrgangsstart: 06.04.2018 - detaillierte Lehrgangstermine siehe Lehrgangsankündigung
Kosten: ab EUR 2990,- inkl. USt. (bei Einmalzahlung)
Umfang: 145 Einheiten, 9 Blockseminare, jeweils Freitag und Samstag
ReferentInnen: Mag. Burkard DAFERT, Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara JUEN, Khasayar PAZOOKI, Prim. Dr. Thomas PLATZ, Linda PLANK MSc, Cornelia SEIDL-GEVERS, Mag. Dr. Alice SENDERA
Lehrgangskonzept: Univ.-Doz. Dr. Walter RENNER
Anmeldeschluss:
zwei Wochen vor Lehrgangsstart
Veranstaltungsort des Lehrgangs : AAP Wien
Weiterbildung für Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen, diplomiertes Pflegepersonal und andere Berufsgruppen

Lehrgangsbeschreibung


+ Theoretische und neuronale Grundlagen
+ Stabilisierung: Affektregulation – kognitive und emotions-fokussierte Methoden
+ Behandlung von PTBS: Neurofeedback - der neurobiologische Ansatz
+ Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Dialektisch-Behaviorale Therapie
+ Stabilisierung: Imaginative Techniken
+ Komorbiditäten, Psychopharmakatherapie und Begutachtung bei Traumafolgestörungen
+ Behandlung von PTBS: EMDR
+ Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Mindfulness
+ Akuttraumata und Krisenintervention: Notfallpsychologie – Großschadensereignisse

Die einzelnen Module im Detail

Theoretische und neuronale Grundlagen
+ Theoretische Grundlagen und didaktische Instruktion
+ Definition von Trauma und PTBS nach ICD-10 und DSM-5
+ Einfach-Traumatisierung vs. komplexe PTBS
+ PTBS Symptom-Trias und PTBS Prävalenz
+ Prädktoren von Psychotrauma
+ Komorbiditäten der PTBS
+ Trauma-Diagnostik und Diagnostik dissoziativer Störungen (DESNOS und DID etc.)
+ Transgenerationale Traumatisierung

Stabilisierung: Affektregulation – kognitive und emotions-fokussierte Methoden
Begriffsbestimmung, neurobiologische Hintergründe und warum wir manchen Emotionen nicht wissentlich auskommen werden zu Beginn des Seminares erklärt und aufgezeigt.
Emotionen finden oftmals unbewusst statt, Trigger können dafür verantwortlich sein. Als nächsten Schritt vermittelt der Inhalt die Abgrenzung zur „gesunden“ Emotion und die Möglichkeit des Umganges mit ihnen. In weiterer Folge werden krankheitswertige Aspekte der fehlenden Regulationsfähigkeit von Affekten besprochen.
Persönlichkeitsstörungen, Störungen der Bindungsfähigkeit, Traumafolgeerkrankungen, die durch fehlende Affektregulation gekennzeichnet sind, werden erläutert, Impulskontrollstörungen im Hinblick auf Psychotraumafolge näher beleuchtet. Abschließend folgt ein Überblick über die Interventionsformen – kognitive und emotionsfokussierte Methoden.

Behandlung von PTBS: Neurofeedback - der neurobiologische Ansatz
+ Neurofeedback als EEG-gestützte Methode der Traumatherapie
+ Stabilisierung, Grounding und Ressourcenaktivierung neurobiologischer Korrelate und Regulation Trauma - Ereignis bezogener Potentiale
+ Korrelation Schlaf und Traumagenese, Schlafregeneration- und rekuperation mit Neurofeedback
+ Sensorische Wahrnehmung, motorische Verarbeitung
+ Regeneration peripherer Systeme der Traumagenese
+ Reduktion vom Hyperarousal, sekundärer Symptome und Reaktanz, Steigerung der Resilienz
+ Impulsregulation traumatisierungsbedingter ERPs der langsamen kortikalen Potentiale
+ Integration

Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Dialektisch-Behaviorale Therapie
Die DBT ist ein manualisiertes psychotherapeutisches Behandlungsprogramm für Menschen, die an den Auswirkungen von schweren Störungen der Emotionsregulation leiden.
Ursprünglich entwickelt wurde die DBT von Marsha Linehan für Patientinnen mit Borderline-Störungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein grundlegendes Wissen für die Besonderheiten borderline-typischen Erlebens und Verhaltens, lernen die Strukturen und Regeln der DBT kennen sowie sämtliche wichtigen Methoden zur Verbesserung der Motivation, der Beziehungsgestaltung und der Veränderung dysfunktionalen Erlebens und Verhaltens.
Die Inhalte nehmen Bezug auf Psychopathologie, Struktur der DBT, Beziehungsgestaltung, Validierungstechniken, Krisenmanagement, Motivationale Methoden und Skillstraining.

Stabilisierung: Imaginative Techniken
Imaginative Übungen als Stärkung der inneren Stabilität und zur Affektregulierung nach traumatischen Erfahrungen. Finden einer Balance zwischen "Schreckensbildern" und "guten Bildern". "Sicherer Ort" zur Stabilisierung. Erkennen von und Umgang mit Traumatisierung. Was ist hilfreich, was nicht? Haltung – Sicherheit – Abgrenzung. Körperübungen.

Komorbiditäten, Psychopharmakatherapie und Begutachtung bei Traumafolgestörungen
Klassifikation der Posttraumatischen Belastungsstörung und der Folgestörungen wie zB Angst, Depression und andauernde Persönlichkeitsveränderung nach ICD 10.
Epidemiologische Daten.
Pathogenese im Kontext von Anlage und Umwelt, Resilienzfaktoren und Verläufe.
Psychopharmaka: Wirkungsweise in Abhängigkeit von biologischen und psychischen Faktoren, Indikationen, Nebenwirkungen. Stellenwert im Konzept einer Gesamtbehandlung.
Begutachtung von Opfern und Tätern im Straf- und Zivilrecht, False-Memory-Problematik, Entschädigung, Rechtsprechung

Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Mindfulness
Nach einer Übersicht über die achtsamkeitsbasierten Interventionen und deren Anwendungsmöglichkeiten in der psychotherapeutischen Behandlung unterschiedlichster Störungsbilder wird auf die Besonderheiten der achtsamkeitsbasierten Behandlung von Traumafolgestörungen eingegangen. Praktische Übungen und Fallbeispiele ergänzen den theoretischen Vortrag.

Akuttraumata und Krisenintervention: Notfallpsychologie – Großschadensereignisse
In der Lehrveranstaltung wird ein praxisnaher Einblick in Akutinterventionen, Krisenintervention sowie psychosoziale Interventionen nach Katastrophen gegeben. Übungen und Fallbeispiele ergänzen den inhaltlichen Input. Tag 1 befasst sich mit den allgemeinen Rahmenbedingungen und Grundprinzipien der Gesamtintervention sowie den allgemeinen Prinzipien der Akutintervention. Tag 2 widmet sich den Akutinterventionen bei speziellen Gruppen wie Kindern sowie bei speziellen Ereignistypen wie Gewaltereignisse oder Katastrophen.

Die ReferentInnen

Mag. Burkhard DAFERT
Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) DBT – Therapeut und Skillstrainer Tätig als Klinischer Psychologe und Psychotherapeut am Psychosomatischen Zentrum Waldviertel und in freier Praxis. Seminar- und Vortagstätigkeit für verschiedenste Institute. Lehrtherapeut der ÖDBT. Präsident der Österreichischen Gesellschaft für dialektisch behaviorale Therapie und Skillstraining
Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara JUEN
Dr. Barbara Juen arbeitet an der Universität Innsbruck am Institut für Psychologie. Sie ist Professorin im Bereich Klinische Psychologie, Entwicklungspsychologie und Psychotraumatologie. Zudem ist sie fachliche Leiterin der psychosozialen Dienste im Österreichischen Roten Kreuz und wissenschaftliche Beraterin des European Network for Psychoso­cial Support und des IFRC Reference Centre for Psychosocial Support.
Mag. Khashayar PAZOOKI
Leiter des Traumainstituts und der Neuroacademy in Luxemburg, spezialisiert in Neurobiologie, Neurotherapien, Neuromodulation, rTMS, QEEG, Neurofeedback, spezialisiert in spezifischer Traumatherapie zur Behandlung komplexer posttraumatischer Belastungsstörungen mit EMDR, Brain-Spot-Therapie, CRM und EEG-Traumatherapie (Coherence Therapy) sowie Schematherapie.
Linda PLANK, MSc Linda Plank, MSc wurde 1978 in Wien geboren. Nach absolvierter Matura und anschließender Berufsausübung im Bank- und Finanzwesen entschied sie sich in den psychosozialen Bereich zu wechseln. Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit in Europas größter Suchtklinik erfolgten folgende Ausbildungen: 2006 Ausbildung zur zertifizierten Suchtberaterin 2012 Studium Psychotraumatologie, Krisenintervention und Stressmanagement seit 2012 Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin an der AVM in Salzburg 2016 Gründung einer privaten psychotherapeutischen Praxis in Wien Veröffentlichungen: 2015 „Moderne Behandlungskonzepte von Abhängigkeitserkrankungen“, Akademiker Verlag, Frankfurt
Prim. Dr. Thomas PLATZ
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin Facharzt für Neurologie; Arzt für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin Psychotherapeut (humanistische, tiefenpsychologische und spirituelle Tradition) MAS Social Management; Gerichtlich beeideter Sachverständiger Langjährige Erfahrung im Aufbau bzw. Leitung klinischer, sozialer und rehabilitativer Einrichtungen
Cornelia SEIDL-GEVERS
1954 geboren in Den Haag, Psychologie in Nijmegen , Niederlande, Psychotherapeutin (Psychodrama/Bioernergetik nach Lowen), EMDR Practitioner, Supervisorin (ÖVS). Gründungsmitglied und ehemalige Geschäftsführerin, Vorstandsmitglied des Vereins Aspis, Forschungs-und Beratungszentrum für Opfer von Gewalt (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt). In freier Praxis tätig in Wien und Klagenfurt. Unterrichtstätigkeit an der Pädagogischen Hochschule sowie an Fachhochschulen und Volkshochschulen etc. Schwerpunkte: Trauma, Macht, Gender, interkulturelle Arbeit.
Mag. Dr. Alice SENDERA
Diplompädagogin, Psychologin und Lehrtherapeutin für VT (AVM und SFU) mit den Zusatzausbildungen in Klinischer Hypnose und Dialektischer Behavioraler Therapie (DBT), Trauma-Therapeutin. Gründungsmitglied und Ausbildungsleiterin der Österr. Gesellschaft für Dialektisch Behaviorale Therapie und Skills-Training (ÖDBT). Leitung von Fortbildungsveranstaltungen und Weiterbildungsgruppen. Publikationen: Skills-Training bei Borderline und Posttraumatischer Belastungsstörung; Borderline, die andere Art zu fühlen; Kinder und Jugendliche im Gefühlschaos; Trauma und Burnout in helfenden Berufen; Chronischer Schmerz - alle im Springer Verlag erschienen.

Zertifizierung und Zielgruppen

Nach Absolvierung des Curriculums erfolgt die Zertifizierung wie folgt:
TraumatherapeutIn: für Klinische PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen
TraumapädagogIn: für PsychologInnen, Dipl.-PädagogInnen, Dipl.-SozialarbeiterInnen, BeratungslehrerInnen, TheologInnen, SozialologInnen, ErzieherInnen, Pflegefachkräfte, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen

Das Wissen wird als Weiterbildung vermittelt. Das bedeutet, dass Sie es im Rahmen Ihrer bereits bestehenden beruflichen Qualifikationen anwenden können. Es handelt sich nicht um eine Ausbildung zur Erlangung neuer berufsrechtlicher Qualifikationen.
Andere Berufsgruppen erhalten eine Teilnahmebestätigung über die Absolvierung des Lehrganges, aber keine Zertifizierung.