Traumatherapie





Das Curriculum orientiert sich hinsichtlich Aufbau und Umfang an den in Österreich etablierten Standards in der Traumabehandlung. Das Curriculum geht auf zahlreiche wesentliche Aspekte in der Traumabehandlung ein. Die Basis bilden die etablierten Standards der Psychothraumatologie. EMDR als eine seit vielen Jahren etablierte Methode zur Behandlung von Traumafolgestörungen wird im Überblick dargestellt und illustriert. Durch Methoden aus der Notfallpsychologie wird auf Akuttrauma und Krisenintervention eingegangen. Aspekte der Psychopharmakotherapie bei Traumafolgestörungen und Komorbiditäten werden aufgezeigt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Traumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen. Kognitive umd emotionsfokussierte Methoden werden zur Affektregulation verwendet. Zur Stabilisierung tragen imaginative Techniken bei. Komplexe Traumafolgestärungen können durch Mindfulness und dialektisch-behaviorale Therapie behandelt werden. Abschließend wird auf verschiedene Bindungstypen und mögliche Auswirkungen bei Traumatisierungen eingegangen.

Info-Broschüre Terminplan

Lehrgangsüberblick

Lehrgangsstart: 27.03.2020 - detaillierte Lehrgangstermine siehe Lehrgangsankündigung
Kosten: ab EUR 2990,- inkl. USt. (bei Einmalzahlung)
Umfang: 145 Einheiten, 9 Blockseminare, jeweils Freitag und Samstag
ReferentInnen: Mag. Burkard DAFERT, Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara JUEN, Univ.-Doz. Dr. Max LEIBETSEDER, Mag. Eva MÜNKER-KRAMER, Mag. Karin PINTER, Prim. Dr. Thomas PLATZ, Linda PLANK MSc, Mag. Sarah RANDJBAR, Cornelia SEIDL-GEVERS, Mag. Dr. Alice SENDERA

Anmeldeschluss:
zwei Wochen vor Lehrgangsstart
Veranstaltungsort des Lehrgangs: Wien
Veranstalter: Higher Education Services GmbH
Weiterbildung für Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen, diplomiertes Pflegepersonal und andere Berufsgruppen

Lehrgangsbeschreibung

+ Grundlagen der Psychotraumatologie
+ EMDR als eine seit vielen Jahren etablierte Methode zur Behandlung von Traumafolgestörungen wird im Überblick dargestellt und illustriert.
+ Akutrauma und Krisenintervention: Methoden der Notfallpsychologie anhand von Beispielen bei Großschadensereignissen
+ Psychopharmakatherapie bei Traumafolgestörungen, Komorbiditäten und Begutachtung
+ Traumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen
+ Stabilisierung: Anwendung imaginativer Techniken
+ Affektregulation: kognitive und emotionsfokussierte Methoden
+ Mindfulness und dialektisch-behaviorale Therapie als Möglichkeit für die Behandlung komplexer Traumafolgestörungen
+ Bindung und Trauma

Einführung in die Psychotraumatologie
Es wird angestrebt, in diesem Workshop die diagnostischen Kriterien der posttraumatischen Belastungsreaktion und Erklärungskonzepte zu vermitteln, aus denen therapeutische Zugänge abgeleitet werden. Zu den therapeutischen Zugängen zählen Expositionen und Traumagraphiken, Neubewertungen und die Integration des Traumas in die Autobiograpbie. Zudem wird auf unterschiedliche Affekte (Angst, Schuld, Scham) in differentieller Weise Bezug genommen. Im Workshop wird eine Balance zwischen klinisch-therapeutischen Ansätzen und Anwendungsorientiertheit im Rahmen von Fallvignetten angestrebt.
+ Theoretische Grundlagen und didaktische Instruktion
+ Definition von Trauma und PTBS nach ICD-10 und DSM-V
+ Einfach-Traumatisierung vs. komplexe PTBS
+ PTBS Symptom-Trias und PTBS Prävalenz
+ Prädiktoren von Psychotrauma
+ Komorbiditäten der PTBS
+ Trauma-Diagnostik und Diagnostik dissoziativer Störungen (DESNOS und DID etc.)
+ Transgenerationale Traumatisierung

Stabilisierung: Affektregulation – kognitive und emotions-fokussierte Methoden
Begriffsbestimmung, neurobiologische Hintergründe und warum wir manchen Emotionen nicht wissentlich auskommen werden zu Beginn des Seminares erklärt und aufgezeigt.
Emotionen finden oftmals unbewusst statt, Trigger können dafür verantwortlich sein. Als nächsten Schritt vermittelt der Inhalt die Abgrenzung zur „gesunden“ Emotion und die Möglichkeit des Umganges mit ihnen.
In weiterer Folge werden krankheitswertige Aspekte der fehlenden Regulationsfähigkeit von Affekten besprochen. Persönlichkeitsstörungen, Störungen der Bindungsfähigkeit, Traumafolgeerkrankungen, die durch fehlende Affektregulation gekennzeichnet sind, werden erläutert, Impulskontrollstörungen im Hinblick auf Psychotraumafolge näher beleuchtet.
Abschließend folgt ein Überblick über die Interventionsformen – kognitive und emotionsfokussierte Methoden.

Behandlung von Traumafolgestörungen: Einführung in EMDR
+ Behandlung von PTBS: EMDR
+ EMDR als Traumatherapie-Methode, was ist EMDR (Geschichte, Hintergründe und Entstehung)
+ Indikationen und Kontraindikationen (Eignung der Patienten)
+ Stabilisierung, Grounding, Ressourcenarbeit, Trauma-Desensibilisierung und Integration
+ EMDR Therapie mit praktischer Ausführung unter Anleitung

Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Dialektisch-Behaviorale Therapie
Die DBT ist ein manualisiertes psychotherapeutisches Behandlungsprogramm für Menschen, die an den Auswirkungen von schweren Störungen der Emotionsregulation leiden.
Ursprünglich entwickelt wurde die DBT von Marsha Linehan für Patientinnen mit Borderline-Störungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein grundlegendes Wissen für die Besonderheiten borderline-typischen Erlebens und Verhaltens, lernen die Strukturen und Regeln der DBT kennen sowie sämtliche wichtigen Methoden zur Verbesserung der Motivation, der Beziehungsgestaltung und der Veränderung dysfunktionalen Erlebens und Verhaltens. Die Inhalte nehmen Bezug auf Psychopathologie, Struktur der DBT, Beziehungsgestaltung, Validierungstechniken, Krisenmanagement, Motivationale Methoden und Skillstraining.

Stabilisierung: Imaginative Techniken
Imaginative Übungen als Stärkung der inneren Stabilität und zur Affektregulierung nach traumatischen Erfahrungen. Finden einer Balance zwischen "Schreckensbildern" und "guten Bildern". "Sicherer Ort" zur Stabilisierung. Erkennen von und Umgang mit Traumatisierung. Was ist hilfreich, was nicht? Haltung – Sicherheit – Abgrenzung. Körperübungen.

Komorbiditäten, Psychopharmakatherapie und Begutachtung bei Traumafolgestörungen
Klassifikation der Posttraumatischen Belastungsstörung und der Folgestörungen wie zB Angst, Depression und andauernde Persönlichkeitsveränderung nach ICD 10. Epidemiologische Daten.
Pathogenese im Kontext von Anlage und Umwelt, Resilienzfaktoren und Verläufe.
Psychopharmaka: Wirkungsweise in Abhängigkeit von biologischen und psychischen Faktoren, Indikationen, Nebenwirkungen. Stellenwert im Konzept einer Gesamtbehandlung.
Begutachtung von Opfern und Tätern im Straf- und Zivilrecht, False-Memory-Problematik, Entschädigung, Rechtsprechung

Behandlung komplexer Traumafolgestörungen: Mindfulness
Nach einer Übersicht über die achtsamkeitsbasierten Interventionen und deren Anwendungsmöglichkeiten in der psychotherapeutischen Behandlung unterschiedlichster Störungsbilder wird auf die Besonderheiten der achtsamkeitsbasierten Behandlung von Traumafolgestörungen eingegangen. Hierbei werden sowohl stützende, als auch konfrontative Interventionsmethoden vorgestellt. Praktische Übungen und Fallbeispiele ergänzen den theoretischen Vortrag.

Akuttraumata und Krisenintervention: Notfallpsychologie – Großschadensereignisse
In der Lehrveranstaltung wird ein praxisnaher Einblick in Akutinterventionen, Krisenintervention sowie psychosoziale Interventionen gegeben. Übungen und Fallbeispiele ergänzen den inhaltlichen Input. Tag 1 befasst sich mit den allgemeinen Rahmenbedingungen und Grundprinzipien der Gesamtintervention sowie den allgemeinen Prinzipien der Akutintervention. Tag 2 widmet sich den Akutinterventionen bei speziellen Gruppen wie Kindern sowie bei speziellen Ereignistypen wie Gewaltereignissen.

Bindung und Trauma
In diesem Seminar werden die Herausforderungen der Folgen von Traumen, insbesondere von Bindungstraumen, in der therapeutischen Beziehung herausgearbeitet. Bindungstraumen sind kumulative Mikrotraumen (relationale Traumen), aber auch Makrotraumen (Gewalt, sexuelle Übergriffe) innerhalb einer Bindungsbeziehung.
Bindung als „hidden regulator“, der die späteren Beziehungen gestaltet, erfordert in der therapeutischen Interaktion spezifisches therapeutisches Knowhow der Affektregulation.
Die Schaffung einer sicheren Basis, einer belastbaren therapeutischen Beziehung ist essentiell für die Arbeit mit negativen Affekten, mit Dissoziationen und Desorientierung. Mit klinischen Beispielen aus der eigenen Praxis sollen Grundhaltungen und Interventionsstrategien vermittelt werden, die geeignet sind, mit extremen Affekten und dem Risiko von relationalen „Re-Traumatisierungen“ umzugehen.

Traumatisierungen bei Kindern und Jugendlichen
Dieses Seminar befasst sich mit möglichen Folgen von traumatischen Ereignissen (z.B. Gewalterfahrungen) bei Kindern und Jugendlichen. Kinder zeigen häufig nicht die klassischen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10, sondern manchmal äußern sich auch unverarbeitete Traumata durch u.a. Verhaltensauffälligkeiten oder psychosomatischen Beschwerden. Im Seminar werden neben einer Einführung in die Thematik altersspezifische (intra-)psychische und körperliche Reaktionen auf extrem belastende Ereignisse dargestellt. Mögliche diagnostische Herangehensweisen werden aufgezeigt und der Einsatz von Diagnostikinstrumenten geübt. Zudem werden kindgerechte Behandlungsmöglichkeiten, wie z.B. Stabilisierungstechniken sowie auch Traumaverarbeitungsmethoden dargestellt. Durch Fallbeispiele, Übungen und kollegialen Austausch soll das Seminar möglichst lebendig und praxisnah gestaltet werden.

Die ReferentInnen

Mag. Burkhard DAFERT
Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) DBT – Therapeut und Skillstrainer Tätig als Klinischer Psychologe und Psychotherapeut am Psychosomatischen Zentrum Waldviertel und in freier Praxis. Seminar- und Vortagstätigkeit für verschiedenste Institute. Lehrtherapeut der ÖDBT. Präsident der Österreichischen Gesellschaft für dialektisch behaviorale Therapie und Skillstraining
Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara JUEN
Dr. Barbara Juen arbeitet an der Universität Innsbruck am Institut für Psychologie. Sie ist Professorin im Bereich Klinische Psychologie, Entwicklungspsychologie und Psychotraumatologie. Zudem ist sie fachliche Leiterin der psychosozialen Dienste im Österreichischen Roten Kreuz und wissenschaftliche Beraterin des European Network for Psychoso­cial Support und des IFRC Reference Centre for Psychosocial Support.
Mag Eva Münker-Kramer
Klinische Psychologin, Notfallpsychologin, Wirtschaftspsychologin, Psychotherapeutin (VT), Traumatherapeutin, EMDR Therapeutin,-Supervisorin.
Von den internationalen Fachverbänden für EMDR anerkannte Trainerin für EMDR, Senior Trainer des EMDR Institute, USA. Leiterin EMDR Institut Austria.
Univ.-Doz. Dr. Max Leibetseder
Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, Lehrverhaltenstherapeut (AVM; SFU), Habilitation an der Universität Klagenfurt
Mag. Karin Pinter
Psychoanalytikerin und Supervisorin in freier Praxis in Wien. Zahlreiche Vorträge, Seminare und Publikationen. Langjährige Redakteurin und zuletzt Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Psychotherapie Forum“.
Linda PLANK, MSc Linda Plank, MSc wurde 1978 in Wien geboren. Nach absolvierter Matura und anschließender Berufsausübung im Bank- und Finanzwesen entschied sie sich in den psychosozialen Bereich zu wechseln. Im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit in Europas größter Suchtklinik erfolgten folgende Ausbildungen: 2006 Ausbildung zur zertifizierten Suchtberaterin 2012 Studium Psychotraumatologie, Krisenintervention und Stressmanagement seit 2012 Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin an der AVM in Salzburg 2016 Gründung einer privaten psychotherapeutischen Praxis in Wien Veröffentlichungen: 2015 „Moderne Behandlungskonzepte von Abhängigkeitserkrankungen“, Akademiker Verlag, Frankfurt
Prim. Dr. Thomas PLATZ
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin Facharzt für Neurologie; Arzt für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin Psychotherapeut (humanistische, tiefenpsychologische und spirituelle Tradition) MAS Social Management; Gerichtlich beeideter Sachverständiger Langjährige Erfahrung im Aufbau bzw. Leitung klinischer, sozialer und rehabilitativer Einrichtungen
Mag. Sarah Randjbar
Klinische- und Gesundheitspsychologin/Wahlpsychologin, Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Verhaltenstherapie); seit 2014 in Wien in freier Praxis tätig, Referentinnentätigkeit für verschiedene Institutionen, aktives Mitglied in der Fachabteilung für Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie der GkPP; bis 2013 leitende Psychologin in der Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie Bahrenfeld-Hamburg, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Universitätsklinik Hamburg
Cornelia SEIDL-GEVERS
1954 geboren in Den Haag, Psychologie in Nijmegen , Niederlande, Psychotherapeutin (Psychodrama/Bioernergetik nach Lowen), EMDR Practitioner, Supervisorin (ÖVS). Gründungsmitglied und ehemalige Geschäftsführerin, Vorstandsmitglied des Vereins Aspis, Forschungs-und Beratungszentrum für Opfer von Gewalt (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt). In freier Praxis tätig in Wien und Klagenfurt. Unterrichtstätigkeit an der Pädagogischen Hochschule sowie an Fachhochschulen und Volkshochschulen etc. Schwerpunkte: Trauma, Macht, Gender, interkulturelle Arbeit.
Mag. Dr. Alice SENDERA
Diplompädagogin, Psychologin und Lehrtherapeutin für VT (AVM und SFU) mit den Zusatzausbildungen in Klinischer Hypnose und Dialektischer Behavioraler Therapie (DBT), Trauma-Therapeutin. Gründungsmitglied und Ausbildungsleiterin der Österr. Gesellschaft für Dialektisch Behaviorale Therapie und Skills-Training (ÖDBT). Leitung von Fortbildungsveranstaltungen und Weiterbildungsgruppen. Publikationen: Skills-Training bei Borderline und Posttraumatischer Belastungsstörung; Borderline, die andere Art zu fühlen; Kinder und Jugendliche im Gefühlschaos; Trauma und Burnout in helfenden Berufen; Chronischer Schmerz - alle im Springer Verlag erschienen.

Zertifizierung und Zielgruppen

Nach Absolvierung des Curriculums erfolgt die Zertifizierung wie folgt:
TraumatherapeutIn: für Klinische PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen
TraumapädagogIn: für PsychologInnen, Dipl.-PädagogInnen, Dipl.-SozialarbeiterInnen, BeratungslehrerInnen, TheologInnen, SozialologInnen, ErzieherInnen, Pflegefachkräfte, ErgotherapeutInnen, LogopädInnen

Das Wissen wird als Weiterbildung vermittelt. Das bedeutet, dass Sie es im Rahmen Ihrer bereits bestehenden beruflichen Qualifikationen anwenden können. Es handelt sich nicht um eine Ausbildung zur Erlangung neuer berufsrechtlicher Qualifikationen.
Andere Berufsgruppen erhalten eine Teilnahmebestätigung über die Absolvierung des Lehrganges, aber keine Zertifizierung.