Curriculum Geriatrie und Gerontologie



Lehrgangstermine in Wien:
+ Lehrgangsstart am 10. März 2017, Terminüberblick siehe Infobroschüre zum Download
+ berufsbegleitend am Wochenende, gesamt 120 Einheiten
+ Zertifizierung zur GerontopsychologIn / GerontopsychotherapeutIn
Info-Broschüre

Lehrgangsüberblick

Kosten: ab EUR 2800,00 inkl. USt.
ReferentInnen:
Mag. Gudrun Langbauer, MSc; OÄ Dr. Asita Aschraf; Mag. (Arch) Fritz Schöffauer, Dr. Wolfram Stix
Anmeldeschluss: zwei Wochen vor Lehrgangsstart
Veranstaltungsort des Lehrgangs : Wien
Weiterbildung für PsychologInnen, Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen, PsychotherapeutInnen und diplomiertes Pflegepersonal

Lehrgangsbeschreibung

Ein Vorwort
Jeanne-Louise Calment galt lange als der älteste Mensch, der je gelebt hat: Im August 1997 starb die Französin im Alter von 122 Jahren, fünf Monaten und 14 Tagen. 2013 übertraf sie der Aymara-Indianer Carmelo Flores: der Bolivianer feierte am 16. Juli seinen 123. Geburtstag. Ein so hohes Alter zu erreichen, ist keine Utopie mehr. Lag die mittlere Lebenserwartung im Mittelalter zwischen 40 und 50 Jahren, so liegt sie nun nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Zentralamtes für Männer bei 78 Jahren und 4 Monaten, für Frauen bei 83 Jahren und 2 Monaten. Dieser Wert steigt stetig, ein Ende des Aufwärtstrends ist nicht in Sicht. Vielmehr gehen Wissenschafter davon aus, dass 2050 die durchschnittliche Lebenszeit bei rund 90 Jahren liegen könnte. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten, aber auch die Komplexität von Multimorbidität steigt mit zunehmendem Alter. Und so wird der mehrfach erkrankte und in seiner Funktionalität beeinträchtigte Mensch die bestimmende Realität in der Versorgung werden. Die demographische Alterung der Gesellschaft. Chance oder Herausforderung? Beides. Und dies sowohl auf individueller Ebene als auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Warum ein Curriculum für Gerontologie und Geriatrie?
Niemand ist zu jung, um sich mit dem Alter und Altern zu befassen. Die Alternswissenschaften – Gerontologie und Geriatrie – zählen zu den Schlüsseldisziplinen des 21. Jahrhunderts. Die Gerontologie als Wissenschaft vom alternden Menschen unter Einbeziehung körperlicher, physischer, historischer und kultureller Aspekte stellt den einzelnen Menschen mit all seinen Fähigkeiten und Eigenschaften in den Mittelpunkt. Die Geriatrie – die Altersheilkunde oder die Lehre von den Krankheiten des alten Menschen – steht nicht für Heilung, sondern Beschwerdelinderung. Die Geriatrie tritt an, um den alternden Menschen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Dabei stehen Schmerzreduktion, psychiatrische und neurologische Erkrankungen oftmals im Mittelpunkt. Eine fundierte Vermittlung der Kenntnisse auf dem Gebiet der Gerontologie und Geriatrie wird einen immer höheren Stellenwert bekommen. Dieser Studiengang reagiert auf die demographische Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um Vermittlung medizinischer, sondern auch um psychosoziale Aspekte und rehabilitative Versorgung der älteren Menschen. Auch finden palliative Aspekte ebenso Beachtung wie kommunikative. Nicht zuletzt soll auch über ein „gelingendes Altern“ gesprochen werden. Insgesamt werden gesellschaftliche Phänomene und Probleme des Alterns angesprochen und Fragestellungen aus den Sozial-, Geistes- oder Naturwissenschaften thematisiert.

Die Module im Überblick
Modul 1 Warum altern wir? Programm oder Schädigung (Gudrun Langbauer)
Die biologische Uhr tickt. Für jede Zelle, für jeden Organismus, bei den einen schneller, bei anderen langsamer. Wie laufen Alterungsprozesse ab? Welche Folgen haben sie? Lassen sie sich bremsen oder gar aufhalten? Und muss im Alter wirklich alles schlechter sein?

Modul 2 Neurogeriatrie (Gudrun Langbauer, Asita Aschraf)
Mehr als 50% der Diagnosen bei alten Menschen sind neurologisch. Grund genug, um sich diesen typischen Krankheitsbildern aus neuropsychologischer und medizinischer Sicht zu nähern.

Modul 3 Gerontopsychiatrie und Medizin (Wolfram Stix)
Durch die steigende Lebenserwartung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an psychischen Erkrankungen zu leiden. Diese können in unterschiedlicher Form auftreten wie beispielsweise Depression oder Verhaltensauffälligkeiten. Dabei spannt sich der Bogen über Polyphrmazie, Suizidalität bis hin zur Psychosomatik in der Geriatrie.

Modul 4 Wertschätzende Kommunikation mit alten und erkrankten Menschen (Gudrun Langbauer)
Schwierigkeiten beim Hören, Sehen und sprechen. Zudem noch Konzentrationsschwierig- keiten. Wie kann man dennoch erfolgreich mit alten Menschen sprechen? Worauf muss geachtet werden? Wie bringe ich Patienten dazu, Interventionen annehmen zu können? Darf Humor Platz finden in einem Gespräch? Und ist Dr. Google der bessere Arzt?

Modul 5 Bewegendes und bewegtes Altern (Wolfram Stix)
Ältere Menschen stehen oftmals vor vielen Herausforderungen des Lebens. Zur Bewältigung dieser kann Bewegung oder auch eine Psychotherapie hilfreich sein. Doch welche Sportarten verbessern nachhaltig die motorische und kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen? Und ist Psychotherapie im Alter sinnvoll?

Modul 6 Wohnen im Alter. Gemeinsam? Allein? Oder im Wald? Technik im Alter. Geht das? (Fritz Schöffauer)
Wie werden wir dann leben, wenn wir älter sind? Bleiben Nachbarschaften erhalten, entstehen vielleicht sogar neue? Gibt es da nicht eine Chance, private, halbprivate und öffentliche Räume gemeinsam zu nutzen? Wird es für die heute Jungen leichter sein, die neue Technik zu nutzen? Schwierige Fragen! Bitten wir sie doch an unseren Tisch, die Alten und die Jungen, hören wir Ihnen zu, fragen wir sie und lernen wir voneinander.

Modul 7 Das Lebensende (Wolfram Stix)
Mein Ende gehört mir! Letzte Hilfe beim Sterben. Was ist heute erlaubt? Was ist möglich? Und kann man beim Sterben etwas falsch machen?

Modul 8 Art of Aging anstelle von Anti-Aging (Gudrun Langbauer)
Die Kunst des gelingenden Alterns. Aber wie? Die Landschaft des Alterns und Alters muss nicht karg und steinig sein. Sie mag dank gesundheitsfördernder Lebensweise und des medizinischen Fortschritts auch idyllisch sein. Die Fähigkeit besteht darin, sich rechtzeitig in die Kunst des Alterns einzuüben.

Abschließende Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden (geplant)

Modulüberblick


Modul 1: Warum altern wir? Programm oder Misere? (Gudrun Langbauer)
+ Wann endet Jugend und wann beginnt Alter?
+ Wer ist schon alt? Die Kulturgeschichte des Alterns
+ Epidemiologische und demographische Überlegungen
+ Einführung in das Thema: Biologie des Alterns, Alterstheorien und Altersbilder Faltenreich. Älterwerden in der Welt
+ Der Körper im Alter
+ Krankheitsbilder im Alter. Eine Übersicht
+ Wenn das Wochenende 7 Tage hat. – Berufsende, Pensionierung, Alt werden Das Phantom, der Opa. Was im Alter möglich ist
+ Älterwerden muss nicht beige sein • Amor altert nicht. Sexualität im Alter. (K)ein Tabu?
+ Aktive Gesundheitsförderung im Alter

Modul 2: Neurogeriatrie (Gudrun Langbauer, Asita Aschraf)
+ Neurologische Erkrankungsbilder im Alter aus der Sicht der Neuropsychologie: Diagnostik, Therapie und Behandlung, Geriatrisches Assessment
+  Psychologische Diagnostik in der Geriatrie am Beispiel Depression, Demenz, Angst Prävention von Demenz: Was ist heute aus nicht medikamentöser Sicht möglich?
+ Fahrtüchtigkeit bei neurologisch erkrankten älteren Menschen
+ Neurorehabilitation im Alter. Was ist zu erwarten? Angehörigenarbeit
+ Neurologische Erkrankungsbilder im Alter aus der Sicht der Medizin: Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Demenz, Epilepsie, Schwindel, Stürze und Synkopen, Schmerz

Modul 3: Gerontopsychiatrie und Medizin (Wolfram Stix)
+ Depression im Alter: Einsamkeit - Krankheit oder Unglück?
+ „Larvierte Depression“ als somatisches Äquivalent depressiver Verstimmung
+ Bio-psycho-soziale Einflussfaktoren der Depression
+ Altern Männer anders als Frauen?
+ Suizidalität und Krisenintervention bei alten Menschen
+ Schlaflos oder ausgeschlafen - Schlafstörungen im Alter
+ Medikamente statt Zuwendung?
+ Polypharmazie im Alter – Fluch oder Segen? Verhaltensauffälligkeiten im Alter: Verschroben, verrückt oder krank? Zwischen Charakterverschärfung, Demenz und Delir
+ Pathophysiologische Unterscheidung hirnorganischer Störungen
+ Somatisches und seelisches Leid – ein Teufelskreis?
+ Psychosomatik in der Geriatrie – alles unter einem Hut?

Modul 4: Wertschätzende Kommunikation mit alten und erkrankten Menschen (Gudrun Langbauer)
+ Basics professioneller Kommunikation Arbeitgeber Patient
+ Sprache, Kommunikation und Altern. Worauf müssen wir achten? Die Kunst der Gesprächsführung
+ Compliance bei älteren Patienten Kommunikation in schwierigen Situationen
+ Noch ein Löffelchen? Alterskrankheiten und ihre Folgen für die Kommunikationsfähigkeit
+ Dr. Google weiß alles! Alles?

Modul 5: Bewegendes und bewegtes Altern (Wolfram Stix)
+ Psycho-Therapeutische Ansätze bei alten Menschen:
+ Narrative Zugänge zur persönlichen Biografie
+ Validation (nach Naomi Feil) bei desorientierten Menschen
+ Psychotherapie mit alten Menschen – vergebliche Mühe oder großer Auftrag?
+ Ressourcen- und Resilienz-orientierte Interventionen Sport und Bewegungstherapie im Alter: Freude am Leben oder Quälerei bis zum Ende?
+ Neue Erkenntnisse der Sportmedizin
+ „Nur ein bewegtes Gehirn ist ein gutes Gehirn!“
+ Bewegungstherapie mit desorientierten Menschen
+ Medizinische Trainingstherapie für Beschwerden aller Art Praxis der Bewegungstherapie: Geeignete Sportarten, Intensität und Dauer
+ Ausdauer – Kraft – Koordination Sportpraxis als optimale psycho-physio-energetische Kooperation:
+ Sporteinheiten als Einführung in die Medizin. Trainingstherapie

Modul 6: : Raum, Haus, Dorf, Stadt, Technik (Fritz Schöffauer)
+ Ghetto oder und Diversität? Die Jungen und die Alten wollen eh nichts voneinander wissen! Alle? • Gibt es da nicht eine Chance? Was können wir tun? Was ist mit der Nachbarschaft?
+ Können wir Nachbarschaftshilfe durch gebaute Strukturen beeinflussen?
+ Ist da ein Unterschied zwischen Stadt und Dorf? Gemeinsame Nutzung von privatem, halbprivatem und öffentlichem Raum als Chance? Wie? Für wen? Für alle von 0 bis 120? Wie führen wir verschiedene Gruppen zueinander?
+ Schwellbereiche als Puffer zwischen privat und öffentlich, zwischen innen und außen z. B. Cafés, Gärten, Parks, verkehrsfreie Straßen als Bereich dazwischen
+  Was sind bauliche Notwendigkeiten für ein Leben in höherem Alter?
+ Ist das Altersheim die einzige Möglichkeit?
+ Können wir unsere Wohnungen so adaptieren, dass wir sie auch im hohen Alter nutzen können? Was macht unsere Umgebung angenehm?
+ Was können Oberflächen?
+ Was erreichen wir durch Farben?
+ Was macht das Licht - das natürliche und das künstliche? Neue Technik? Altes Wissen?
+ Was ist diese neue Technik? Ist sie unerfahrenen Menschen zumutbar? Fragen wir sie doch
Schließt neue Technik alte Menschen aus? Neue Technik, altes Wissen < - > junges Wissen, altes Interesse als sinnvolle Komplementarität? Auch Junge werden alt
+ Wird es ihnen leichter fallen, die Technik der Zukunft als Hilfe zu verwenden? Diese komplex miteinander verwobenen und doch sehr einfachen Fragen können wir am besten gemeinsam mit den Betroffenen behandeln. Bitten wir sie doch an unseren Tisch, hören wir ihnen zu, fragen wir sie und lernen wir voneinander.

Modul 7: Das Lebensende (Wolfram Stix)
+ Selbstbestimmung als Menschenrecht – Rechtliche Aspekte und ihre Auswirkungen
+ Sachwalterschaft
+ Unterbringungsgesetz
+ Patientenverfügung
+ Vorsorgevollmacht Sterben ohne Schmerzen?
+ Palliativmedizin und Palliativ-Care
+ Mobiles Hospiz Sterben mit Hilfe?
+ Sterbebegleitung
+ Passive Sterbehilfe?
+ Aktive Sterbehilfe?
+ Gesetzlicher und Ethischer Rahmen
+ Wie sterbe ich richtig?
+ Ethische Fragen am Lebensende
+ Was passiert danach?

Modul 8: Art of Aging anstelle von Anti-Aging (Gudrun Langbauer)
+ Erfolgreiches Altern. Geht das? – Die Kunst gelassen älter zu werden
+ Das Altern aus Sicht der Literatur, der Kunst, im Film und Co
+ Mode im Alter – Die Stilikonen der Upper West Side oder Colour your life! Älter werden kann auch Spaß machen
+ Mit 40 an 80 denken? Warum es sich lohnt - Lifestyle im Alter – Lässig älter werden! Geht das? Über die wahren Ursachen eines langen Lebens
+ SteinAlt und KernGesund. Was bringen präventive Maßnahmen wirklich?
+ 20 gute Gründe, das Alter nicht zu ernst zu nehmen

Abschließende Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden (geplant)

Über die ReferentInnen

Mag. Gudrun Langbauer MSc
+ Master of Science Neurorehabilitation MSc
+ Klinische-und Gesundheitspsychologin, Neuropsychologin
+ Leitende Neuropsychologin an der Landesklinik Hochegg
+ Lehraufträge an der Alpe-Adria Universität Klagenfurt und in diversen Ausbildungseinrichtungen in Wien
+ In freier Praxis tätig (www.neuroteam.at)
OÄ Dr. Asita Aschraf
+ Ärztin für Allgemeinmedizin
+ Fachärztin für Neurologie
+ Oberärztin an der Landesklinik Hochegg, Abteilung Neurologie
+ Lehrtätigkeit an der Allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Landeskliniken Baden, Neunkirchen und Wiener Neustadt
+ Ärztekammerdiplom für Notfallmedizin
Mag. (Arch) Fritz Schöffauer
+ Architekt
+ www.schoeffauer.com
Dr. Wolfram Stix
+ Arzt für Allgemeinmedizin
+ Mitarbeit im Ärztenotdienst Wien
+ Ärztekammerdiplome für Notfallmedizin, Homöopathie sowie Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin + Ausbildungen in Systemischer (Familien-)Therapie, Hypnotherapie, Supervision und Mediation
+ Gründer des Zentrums für Integrative Psychosomatik und Psychotherapie, ZIPP (www.zipp.at).

Zertifizierung

Das Angebot richtet sich an
+ Klinische- und GesundheitspsychologInnen
+ PsychotherapeutInnen sowie an
+ diplomierte Kranken- und GesundheitspflegerInnen
die sich in den Bereichen Gerontologie und Geriatrie qualifizieren möchten oder die ihr Wissen in allen Facetten des menschlichen Alterns intensivieren wollen. Die Absolvierung dieses Lehrgangs ermöglicht den Teilnehmern, sich den Herausforderungen zu stellen, neue Konzepte für die eigene berufliche Praxis in einem schnell wachsenden und zukunftsweisenden Berufsfeld zu entwickeln, umzusetzen und zu nutzen.

Nach Absolvierung des Curriculums erfolgt die Zertifizierung wie folgt:
+ GerontopsychologIn: für PsychologInnen
+ GerontopsychotherapeutIn: für PsychotherapeutInnen
+ Diplomiertes Pflegepersonal erhält ein Zertifikat über die erfolgte fachspezifische Weiterbildung in Gerontologie und Geriatrie nach den Richtlinien der AAP.

Das Wissen wird als Weiterbildung vermittelt. Das bedeutet, dass Sie es im Rahmen Ihrer bereits bestehenden beruflichen Qualifikationen anwenden können. Es handelt sich nicht um eine Ausbildung zur Erlangung neuer berufsrechtlicher Qualifikationen. Andere Berufsgruppen erhalten eine Teilnahmebestätigung über die Absolvierung des Lehrganges, aber keine Zertifizierung.